Mahler, Schönberg und der Mut, neu zu hören

© Vanja Pandurevic
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Am 16. November spielt das Nova Orchester Wien unter Chefdirigent William Garfield Walker im Wiener Konzerthaus Schönbergs Kammersymphonie op. 9b und Mahlers Vierte Symphonie. Außerdem erklingt Anna Skrylevas Impromptu. Der Abend entsteht in Partnerschaft mit der Universal Edition, die heuer ihr 125-jähriges Bestehen feiert, und mit Unterstützung des Arnold Schönberg Centers. Ehrengast ist Mahlers Enkelin Marina Mahler.

Am 16. November spielt das Nova Orchester Wien unter Chefdirigent William Garfield Walker im Wiener Konzerthaus Schönbergs Kammersymphonie op. 9b und Mahlers Vierte Symphonie. Außerdem erklingt Anna Skrylevas Impromptu. Der Abend entsteht in Partnerschaft mit der Universal Edition, die heuer ihr 125-jähriges Bestehen feiert, und mit Unterstützung des Arnold Schönberg Centers. Ehrengast ist Mahlers Enkelin Marina Mahler.

Wien, 20.10.2026: Als Schönbergs Kammersymphonie 1907 in Wien uraufgeführt wurde, war das Publikum gespalten: Zuhörer zischten und verließen den Saal – Gustav Mahler dagegen stand in seiner Loge und applaudierte weiter, wie sich Alma Mahler später erinnerte. Nun führt das Nova Orchester Wien die Musik beider Komponisten in jener Stadt zusammen, in der sie einst das Publikum herausforderten.

Auf dem Programm stehen Schönbergs Kammersymphonie Nr. 1 in der Fassung für großes Orchester op. 9b, Mahlers Symphonie Nr. 4 in G-Du sowie Anna Skrylevas Impromptu. Im Finale „Das himmlische Leben“ singt die Sopranistin Mélissa Petit. Konzertbeginn ist um 19:30 Uhr im Mozart-Saal.

Zwei Stimmen desselben Aufbruchs

Beide Komponisten sind eng mit der Universal Edition verbunden: Bereits 1909 nahm der Verlag unter Direktor Emil Hertzka Werke von Mahler und Schönberg in sein Programm auf. Auch das Jahr ist symbolträchtig – 2026 jährt sich die Uraufführung von Mahlers Vierter zum 125. Mal, zugleich wird des 75. Todestages von Arnold Schönberg gedacht.

Mit Anna Skrylevas Impromptu erklingt eine weitere zeitgenössische Stimme aus dem Kreis der Universal Edition. Wie Chefdirigent William Garfield Walker ist Skryleva bei dem Verlag als Komponistin vertreten und zugleich selbst als Dirigentin tätig. Damit knüpft der Abend an die Tradition von Komponisten am Dirigentenpult an, die auch Werke ihrer Kolleginnen und Kollegen zur Aufführung bringen – von Gustav Mahler bis Pierre Boulez.

Schönbergs 1906 komponierte Kammersymphonie ist tonal, melodienreich und voller ungestümer Energie. Sie zeigt einen Komponisten, der nach einer neuen musikalischen Sprache sucht – mit großer Ausdruckskraft und Unmittelbarkeit. Mahlers Vierte, seine kammermusikalischste Symphonie, kommt ohne Posaunen und Tuba aus. Mit Leichtigkeit und tänzerischer Bewegung führt sie zu einer kindlichen Vorstellung vom Himmel, in der sich Staunen, Schatten und Befremden verbinden.

Als Direktor der Wiener Hofoper und als Dirigent setzte Mahler mit kompromissloser Probenarbeit neue Maßstäbe und stellte sich früh hinter die junge Generation um Schönberg – auch gegen die Ablehnung des Publikums. Daran knüpft das Konzert an: Beide Werke werden nicht als Gegensätze, sondern als zwei Stimmen desselben Aufbruchs erfahrbar. Im intimen Mozart-Saal tritt die Transparenz der Partituren besonders deutlich hervor.

Marina Mahler als Ehrengast

Marina Mahler, Enkelin des Komponisten und Gründerin der Mahler Foundation, verbindet den Abend mit dem Manifest, das Schönberg und andere Komponisten 1920 beim ersten Mahler-Festival in Amsterdam verfassten. Darin riefen sie Musiker dazu auf, die zerbrochenen geistigen Brücken zwischen den Völkern wieder aufzubauen.

„Wie aktuell sind diese Worte in einer Welt in Aufruhr und wie sehr spiegeln sie den Geist dieses Orchesters, der Mahler Foundation und des Konzertprogramms wider! Lassen Sie uns in diesem Geist feiern und daraus eine fortwährende Aufgabe machen. Ich freue mich, Teil eines Projekts zu sein, das meinen eigenen Beweggründen für die Gründung der Mahler Foundation so nahekommt, und hoffe, dass es das erste von mehreren gemeinsamen Projekten ist.“, so Marina Mahler.

„Mahler und Schönberg haben das Wiener Musikleben ihrer Zeit entscheidend geprägt und der Musik neue Wege eröffnet. Dass das Nova Orchester Wien ihre Werke in diesem Konzert zusammenführt, macht dieses musikalische Erbe lebendig und zeigt dessen ungebrochene Aktualität. Wir freuen uns, dieses besondere Projekt im Rahmen unseres 125-jährigen Jubiläums zu unterstützen“, sagt Stefan Ragg, Vorstand der Universal Edition.

Das Konzert ist Teil der Reihe small hall. BIG ORCHESTRA., die volle Orchesterbesetzung in einen intimen Rahmen bringt. Als Kulturpartner von UNICEF Österreich widmet das Nova Orchester Wien den Abend zudem dem Weltkindertag am 20. November.

Tickets erhältlich unter: Wiener Konzerthaus, 16 November

Die Mitwirkenden

Nova Orchester Wien

Das Nova Orchester Wien vereint professionelle Musikerinnen und Musiker aus mehr als 40 Nationen. Gegründet 2020 im Anschluss an ein digital übertragenes Konzert für das G20 Economic Forum, gab es 2021 sein erstes öffentliches Konzert im Wiener Musikverein. Heute tritt es im Musikverein und im Wiener Konzerthaus auf und verbindet große symphonische Werke mit selten gespieltem und zeitgenössischem Repertoire. Sein Leitgedanke: „Humanity through music“.

Mélissa Petit · Sopran

Die französische Sopranistin Mélissa Petit ist regelmäßig bei den Salzburger Festspielen und an führenden europäischen Opernhäusern zu erleben, darunter die Staatsopern Berlin und Stuttgart, die Bregenzer Festspiele und das Theater an der Wien. Zu ihren Rollen zählen Juliette in Gounods Roméo et Juliette und die Titelpartie in Janáčeks Das schlaue Füchslein. Sie arbeitet regelmäßig mit Cecilia Bartoli zusammen; bei den Salzburger Pfingstfestspielen 2026 sang sie die Contessa di Folleville in Rossinis Il viaggio a Reims.

William Garfield Walker · Dirigent

William Garfield Walker ist Chefdirigent des Nova Orchester Wien. Der US-Amerikaner studierte Dirigieren in Wien und verbindet die musikalische Tradition der Stadt mit internationaler Perspektive. Er war Staff Conductor an der Lyric Opera of Chicago und Solti Conducting Fellow an der Washington National Opera, wurde viermal von der Solti Foundation U.S. ausgezeichnet und war Ansbacher-Stipendiat bei den Salzburger Festspielen. Walker gastiert international; seine Kompositionen erscheinen bei der Universal Edition.

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