29.08.2025
- Kostenoptimierung und Effizienzsteigerung weiterhin oberste Priorität
- „Liberation Day“ und US-Zölle befeuern keine US-Verlagerungen
- Strategische Anpassungen sowie Investitionen in Innovationen und R&D gewinnen an Bedeutung, Nachhaltigkeit kein Top-Thema mehr
Wien, 29. August 2025
Die Weltwirtschaft sortiert sich neu, und mit ihr die österreichische Industrie. Dies hat unter anderem gravierende Folgen für die Verteilung von Investitionen und Personal, wie die diesjährige CxO Priorities – Studie der Managementberatung Horváth zeigt, für die international über 1.000 und in Österreich rund 90 Vorstands- und Geschäftsführungsmitglieder großer Unternehmen befragt wurden. Österreichische Industrieunternehmen für sich betrachtet, zeigt sich folgendes Bild bei der Verteilung der Gesamtinvestitionen: Für die kommenden fünf Jahre planen die Unternehmen, lediglich 18 Prozent der Investitionsausgaben (CAPEX) am Unternehmensstandort Österreich zu investieren. Mit mehr als einem Drittel wird am meisten in Asien investiert (14% in China, 11% in Indien und 5% im restlichen Asien), gefolgt von Osteuropa mit 20 Prozent. „Der Wettbewerbsdruck zwingt Unternehmen in Ausland zu investieren. Sie finden in vielen Ländern niedrigere Lohnkosten, weniger Bürokratie, lokale Förderungen und eine wirtschaftliche Willkommenskultur. Zudem sehen wir seit längerem eine Regionalisierung der Wertschöpfung, sprich es wird in derselben Weltregion produziert und verkauft.“, sagt Christoph Kopp, Industrie-Experte und Partner bei der Managementberatung Horváth.
Trumps Wirtschaftspolitik befeuert keine Verlagerungen in die USA
In Nordamerika planen die österreichischen Industrieunternehmen 15 Prozent ihrer Gesamtinvestitionen 2025 zu tätigen, ähnlich viel wie im internationalen Vergleich. „Unternehmen, die in die USA verlagern bzw. aufbauen, haben dies oft schon vorher getan – und zwar aus anderen Gründen als eine Vermeidung von Zöllen. Das generelle Marktpotenzial, eine stabile Lieferkette, der Inflation Reduction Act und deutlich weniger Bürokratie kombiniert mit einem wirtschaftsfreundlichen Umfeld waren und sind deutlich stärkere Anreize für die Industrie, in den USA eigene Standorte aufzubauen. Kurzfristige und unsichere Signale wie Zoll-Androhungen erschüttern die langfristigen Standortstrategien noch nicht“, so Industrie-Experte Kopp.
Die US-Zölle sind Kopp zufolge mit ihren direkten und vor allem indirekten Folgen zwar aktuell schon der Wirtschaftsfaktor mit dem stärksten Einfluss auf die Geschäftsentwicklung. Noch könnten insbesondere weltweit aufgestellte Unternehmen und solche in Nischenpositionen etwaige Umsatzrückgänge jedoch gut abfedern beziehungsweise kurzfristig über direkte Preisweitergaben an die Kunden lösen. „Generell dürfe man die Auswirkung der US-Zölle auch nicht überschätzen, da schon jetzt viele österreichische Unternehmen in Amerika für Amerika produzieren und nicht auf Exporte aus Europa in die USA angewiesen sind.“, so Kopp.
Europa als schwacher, aber berechenbarer Markt – keine Abkehr von China
Eher noch motivieren die aktuellen Unsicherheiten in Bezug auf die langfristige Wirtschaftsbeziehung zu den USA österreichische Firmen, wieder verstärkt in Europa zu investieren. „Viele Unternehmen verlagern Produktionsschritte innerhalb von Europa weg vom Hochlohnstandort Österreich hin zu Niedriglohnstandorten in Ost- bzw. Südeuropa. Aktuell sehen wir eine richtiggehende Renaissance von Produktionsverlagerungen und Shared Service Center Aktivitäten“ so Horváth-Experte Kopp. Insgesamt verbleibt ein Drittel der Investitionen österreichischer Industrieunternehmen in Europa außerhalb Österreichs. Das ist ein deutlich höherer Anteil als im internationalen Vergleich als auch mit Blick nach Deutschland.
Doch auch China bliebt relevant für die hiesige Industrie. „Trotz De-Coupling bleibt China mit 14 Prozent geplantem Investitionsanteil ein Wachstumsmarkt. Allerdings ist den Unternehmen auch bewusst, dass sie im chinesischen Markt Defizite in der Wettbewerbsfähigkeit haben“, so der Horváth-Experte. An Attraktivität gewonnen hat auch Indien, mit 11 Prozent CAPEX-Anteil.
Das Investitionsverhalten von Industrieunternehmen weltweit zeigt ein ähnliches Bild, wobei die Firmen mit Standorten außerhalb Österreichs und Deutschlands noch stärker auch in anderen asiatischen Märkten als China und Indien aktiv sind.
Struktur- und Strategiethemen beherrschen die Management-Agenda – Nachhaltigkeit deutlich weniger prioritär
Klare Top-Priorität der österreichischen Konzerne bleibt die Optimierung der Kostenstruktur. „Österreich hat im internationalen Vergleich in den letzten Jahren überproportionale Gehaltskostensteigerungen verzeichnet. Das belastet die Industrie und deren Wettbewerbsposition. Gleichzeitig bleibt das wirtschaftliche Umfeld – Stichwort Zölle, Inflation, Zinsen, niedriges Wirtschaftswachstum – schwierig. Und dazu kommen die hohen bürokratischen Hürden in Österreich, die die wirtschaftliche Entwicklung ebenfalls dämpfen“, so Horváth-Experte Kopp.
Die Plätze 2 bis 5 nehmen bei österreichischen Industrieunternehmen, der Reihenfolge nach, ein: Cyber Security, Innovation sowie Forschung & Entwicklung auf Platz 3, digitale Transformation (inkl. Automation und AI) auf Platz 4 und Personalthemen auf Platz 5. „Automation und KI nutzen die Unternehmen als Hebel, um Kosten zu senken, effizienter zu werden, und sich über exzellente Produkte und Services vom Wettbewerb abzuheben. Auch Innovation sowie Forschung & Entwicklung (R&D) gewinnt an Bedeutung: die meisten Unternehmen planen, ihre Investments in diesem Bereich zu erhöhen. Strukturelle, technologische und strategische Handlungsfelder liegen gerade im Fokus“, so Kopp.
Nachhaltigkeit spielt international keine strategische Rolle mehr. Das Thema ist im Jahresvergleich von Platz 6 auf Platz 11 gerutscht. In Österreich jedoch wird das Thema weiterhin als wichtig (Platz 6) angesehen „Die Unternehmen rücken nicht von ihren Net-Zero-Zielen ab, aber sie machen nur noch das, was für sie Sinn ergibt und sich langfristig auszahlt. Gleichzeitig sind viele Nachhaltigkeitsthemen bereits auf den Weg gebracht oder umgesetzt, was den Handlungsdruck reduziert“, sagt Christoph Kopp. Abschließend resümiert der Experte: „Jetzt ist eindeutig die Zeit für Produktivitätssteigerungen und operative Exzellenz.“
Über die Studie
Für die 6. jährliche „Horváth CxO Priorities Study“ wurden über 1.000 Vorstands- und Geschäftsführungsmitglieder großer Unternehmen aus 15 Branchen und 34 Ländern zu aktuellen Managementtrends und Geschäftsaussichten befragt. In Österreich haben rund 90 Vorstands- und Geschäftsführungsmitglieder großer Unternehmen teilgenommen. 80 Prozent der untersuchten Unternehmen erwirtschaften mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz. Produzierende Unternehmen machen die Mehrheit der befragten Firmen aus. Die Befragungen fanden von März bis Juni 2025 statt.
Über Horváth
Horváth ist eine internationale, unabhängige Managementberatung mit 1.400 Mitarbeitenden an Standorten in Europa, den USA und weiteren globalen Märkten. Als Top-Management-Beratung für Transformation, Performance Management und Digitalisierung führen wir Unternehmen und öffentliche Organisationen zu nachhaltigem Erfolg und langfristig hoher Wertschöpfung. Horváth zeichnet sich durch fundierte, innovative Beratungsansätze und Lösungen aus – basierend auf unseren Wurzeln und Werten, geprägt durch unseren Gründer Professor Péter Horváth. Kunden und Kundinnen, von Vorstands- bis Fachebene, schätzen in besonderem Maße die ausgeprägte Fachexpertise, die Implementierungsstärke sowie die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Für die hohe Zufriedenheit mit den erreichten Projektergebnissen ist Horváth vielfach ausgezeichnet.